Haben wir die Unschuld am Essen endgültig verloren? #Fitnesswahn

Kein Zucker, Brot ist böse, Alkohol sowieso und das Fitnessstudio das neue zweite Zuhause. Wird so das Leben nicht langweilig? Ein Aufruf zu mehr Spaß im Leben und weniger Perfektionismus.

Ein Blick in den Spiegel: Der Bauch ist zu groß, die Brüste im Vergleich zu klein, seitlich der Jeans drückt es Fett heraus und an dem Po die ersten Anzeichnen von Cellulite.

Darum geht es auf Instagram, Pinterest und Co. Themen wie Low Carbs, Detox und Zuckerersatz dominieren soweit das Auge reicht. Nichts mehr zu essen, dafür Fotos von Früchten, Muskeln, Shakes und Sportschuhen. Frau mit Sixpack liegt auf einem Männerbauch mit Sixpack. Perfekte Paare, perfekte Muskeln, perfekte Menschen, perfektes Leben?

Schon länger drängt sich dieser Fitnesswahn in die Gesellschaft und in meinen Instagram- Account. Haben wir nicht etwas Wichtiges vergessen, geht es im Leben wirklich um Bauchmuskeln und Bizeps? Und wo bleibt da der Spaß?

Ich will niemanden verurteilen der gerne Sport macht, sondern was mich beunruhigt ist, dass ganz normal gebaute Mädchen sich mittlerweile zu dick fühlen weil sie aus mehr als Haut und Knochen bestehen. Ich beobachte das seit Längerem auch bei meinen Freundinnen. Essen und die Figur wurde zu dominierenden Themen und machen viel Kummer. Sieht man sich die Zahlen in Deutschland dazu an bestätigen sie diesen Trend. Jedes vierte Mädchen leidet an einer Essstörung und die Hälfte aller Mädchen finden sich zu dick obwohl sie normalgewichtig sind.

Eine Freundin fragte mich vor kurzem, warum  wir in einer Generation leben, in der Frauen so dünn sein müssen? Würden wir in einer anderen Zeit leben, wäre ihre Figur heiß, meinte sie. Das hat mich zum Nachdenken angeregt. Nur weil Heidi und Co. mit ihren magersüchtigen Minderjährigen uns einreden wollen, was ihr und der Modewelt gefällt, muss das für uns noch lange nicht gelten. Essstörungen sind etwas Schreckliches und die steigende Zahl an Kranken fruchtet in der Fitnesswahngesellschaft auf Instagram und Co.

Es ist eine Perfektion nach der unsere Generation strebt, die nicht erfüllbar ist. Wie soll man schön, durchtrainiert, belesen und gebildet gleichzeitig sein? Heutzutage scheint es als bräuchte jeder von uns das gesamte Package. Doch jeder ist unterschiedlich und setzt seine Prioritäten anders. Jemand der mehr Gewicht auf den Hüften hat als andere, ist nicht automatisch faul und undiszipliniert im Leben, sondern sieht andere Dinge einfach als wichtiger an.

Eigentlich sind Kinder die einzigen, die noch normal essen. Für sie ist Essen ein unschuldiger Akt, denn sie essen was sie wollen. Jeder, der schon einmal versucht hat Karottenbrei in den Mund eines Kindes zu schaufeln weiß das. Sie essen ganz ohne nachzudenken. Lena Dunham beschreibt in ihrer Biografie „Not that Kind of Girl“ ihre Kindheit als eine Zeit der wunderbaren Fressunschuld. In der sie essen konnte was sie wollte, ohne dabei einen Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und Gewichtszunahme sehen zu müssen. Erst viel später wurde ihr klar, dass sie je nach Ernährung zu- oder abnahm. Dieser kindlichen Naivität trauert sie noch heute nach. Denn zurück in diese Zeit kann man nicht mehr.

eating

Durch das Erwachsenwerden verlässt man den Schutz der Fressunschuld und tritt hinaus. Hinaus in eine Welt voller Cellulite und ungestraftem Fett. Einen Weg zurück in diese Unschuld gibt es nicht. Einmal erkannt, bleibt die Kombination von Essen und Gewichtszunahme im Kopf gespeichert. Bei jedem spätnächtlichen Burger oder Kebab essen wir gleichzeitig auch eine Portion Schuldgefühle mit. Auch wenn es in diesem Moment als die geilste Idee aller Zeiten erscheint, wissen wir unterbewusst, dass es ungesund ist. Man könnte fast sagen, wir leiden alle unter einer Essstörung, da wir die Unschuld am Essen verloren haben. Und wie bekannt ist- einmal süchtig, immer süchtig.

Darum lassen wir uns doch die Freude am Essen nicht durch den Fitnesswahnsinn nehmen und entscheiden uns zumindest ab und zu für Schokolade anstatt Chia und für einen Abend mit Freunden anstatt einem Training in der Kraftkammer. Mahlzeit!

I love Food

 

 

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