Linke Gutmenschen

 

LINKER_GUTMENSCH 

Österreich und Deutschland werden überschwemmt von einer Welle der Hilfsbereitschaft. Große Teile der Bevölkerung sind jetzt pro Flüchtlinge und verbreiten das auch in den sozialen Netzwerken. Geht es da noch um die Flüchtlinge oder um reine Selbstdarstellung?

Plötzlich ist jeder ‚Refugees Welcome’. Auf Facebook, Twitter und in den Medien geht es laufend um die Flüchtlinge und Menschen, die ihnen helfen. Jeder unterstützt, wo er kann: in Traiskirchen, an der Grenze zu Ungarn oder auf den Bahnsteigen. Das Motto ist klar: Wir helfen! Und wir zeigen das auch! Das neue Charity-Hobby-Volunteering wird fleißig in den sozialen Medien festgehalten und veröffentlicht.

Menschen, die sich engagieren, argumentieren, dass es wichtig sei, die Botschaft zu verbreiten. Sich zu solidarisieren und zu zeigen, dass Österreich doch nicht so rechts ist, wie man zuvor oft dachte. Auch NGOs posten und publizieren nun, was das Zeug hält. Viele sind plötzlich pro Flüchtlinge, was vor einem Jahr noch umgekehrt der Fall war, da wurde viel über die ‚guten’ und die ‚bösen’ Ausländer debattiert. Heute ist es Common Sense für die Flüchtlinge zu sein. Alles andere wäre ja unmenschlich. Parteien bis auf die FPÖ kuschen bei dem Thema, aus Angst etwas Falsches zu sagen und als rechts zu gelten. Nachhaltige Gedanken zur Integration werden verdrängt.

Wenn Modeblogger politisch werden

In den letzten Wochen haben sich Personen aus der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet, die sonst politisch eher den Mund halten. Als Joko und Klaas in ihrem Video ‚Mundaufmachen‚ , die ‚ich bin kein Nazi, aber’-Typen baten ihnen zu entflogen, bekamen sie Beifall aus den Social Media Foren. Als die Modebloggerin Madeleine Alizadeh plötzlich über Flüchtlinge und nicht mehr über Vegan-Lifestyle schrieb, hörte man ihr zu. Man war verblüfft, dass sich eine Modebloggerin mit den Flüchtlingen solidarisiert und an das Ministerium einen Brief schreibt.

Positiver Rassismus

Es gibt Menschen, die Helfer bejubeln und beglückwünschen und dann gibt es Menschen wie Serdar Somuncu. Laut dem deutschen Kabarettisten artet die Anteilnahme für Flüchtlinge in reine Selbstdarstellung aus. Somuncu liebt es generell zu provozieren, er geht in der Wirtschafts Woche in seiner Kolumne ‚Klatschspalte‚ sogar noch weiter und spricht gar von positivem Rassismus. „Der Neger ist gut, noch besser, wenn er über das Mittelmeer kommt; Syrer sind gute Ausländer, weil gegen Assad; Sinti und Roma grundsätzlich kriminell, Griechen korrupt und Türken irgendwie unheimlich“ schreibt er in seinem Kommentar.

Auch Madeleine Alizadeh wurde ihre Anteilnahme für Flüchtlinge von einigen nicht abgenommen und als egoistischer PR-Coop dargestellt. Denkt man nur zurück an das Engagement von Til Schweiger, der ein Flüchtlingsheim bauen wollte, er wurde öffentlich in der Luft zerrissen. Auf Facebook drohten User sogar seine Töchter zu finden und diese zu vergewaltigen bis sie sterben.

Egoistischer Gutmensch

Die Gesellschaft scheint gespalten, zwischen den Helfern und jenen, die diese als egoistische linke Gutmenschen abstempeln. Gibt es den linken Gutmenschen? Engagieren Menschen sich aus innerem Drang anderen zu helfen oder aus Selbstdarstellungszwecken?

Grundsätzlich stellt sich diese Frage bei Charity-Aktionen und guten Taten doch immer. Bereits bei Angelina Jolie brannte der Öffentlichkeit immer die Frage unter der Zunge: Adoptiert sie, um Gutes zu tun oder aus Image-Gründen? Keiner kann diese Frage beantworten außer Angelina Jolie selbst. Ähnlich ist es auch in der derzeitigen Situation.

Ja, es ist offensichtlich, es gibt gerade vermehrt linke Gutmenschen, auch unter denjenigen, die früher nie bei der Caritas mitgeholfen haben. Auch politisch gesehen geht diese Schicht weit über den Grün-Wähler-Kreis hinaus. Die Message: Es geht nicht mehr um Parteienzugehörigkeit, sondern um Menschlichkeit. Erst zuletzt bei der großen Demo am 31.8 in Wien war das besonders deutlich zu spüren. Seit dem steigt der Trend des Gutmenschseins stark an.

Gegentrend

Wie bei allen Trends wird auch dieser wieder vorbeigehen. Spätestens bis Weihnachten ist klar, dass es nicht ‚die guten Flüchtlinge’ gibt und dass Verallgemeinerungen unangebracht waren. Wenn die Zelte wegen Schnee abgebaut und die Flüchtlinge mit positivem Asylantrag integriert werden müssen, dann wird es nicht mehr so easy werden pro Flüchtlinge zu sein. Dann geht es nicht mehr nur um ‚Refugees Welcome’, sondern auch darum, wie wir mit ihnen umgehen in unserem Alltag.

Dann muss Österreich beweisen, dass wir beim Thema Integration nicht mehr dieselben Fehler wie in der Vergangenheit machen. Es muss auch klar sein, dass Solidarität und Hilfsbereitschaft auf Dauer allein nicht reichen. So wichtig die freiwilligen Helfer jetzt gerade sind, es braucht nachhaltige Integrationsansätze und schnellere Asylbescheide. Es wird eine große Herausforderung für Österreich und erst recht für Deutschland. Denn wie bei jedem Trend, kann es schnell umschlagen und zu einem Gegentrend kommen. Und ganz plötzlich könnten die linken Gutmenschen von den rechten Wutmenschen überlaufen werden.

Darum freuen wir uns doch über diesen Trend und hören auf zu jammern. Denn ganz ehrlich, es gibt doch Schlimmeres, als dass Menschen sich mit Charity schmücken und mit Flüchtlingen solidarisieren. Nach all der rechten Vergangenheit und der schwarz-blauen Regierung ab 2000 ist dieser Trend doch ein wunderschöner.

Darum #refugeeswelcome und hoffen wir, dass die Menschen auch noch solidarisch denken, wenn es nicht mehr nur um das Helfen, sondern auch um Reformen geht.

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