Um Himmels Willen – geht doch wählen!

Wien hat weltweit die höchste Lebensqualität. Das Ergebnis der Mercer-Studie sagt das bereits zum sechsten Mal in Folge. Wer hier wohnt, kann das auch spüren. Wien ist einfach wunderschön. Neben dem Stephansdom, Kaffee mit Schlagobers, Schnitzel und Apfelstrudel, gibt es hier auch noch nette Menschen. Wien ist einfach geil und das ist auch international bekannt. Könnte die morgige Wahl diese Lebensqualität mindern?

Am Sonntag sind Wahlen. Gesucht wird ein Bürgermeister für diese traumhafte Stadt und Politiker für die Bezirke und Gemeinden. Ich will euch nicht erzählen, dass am Montag die Welt untergeht, wenn die FPÖ tatsächlich die Mehrheit erlangen sollte. Die Welt würde auch nicht untergehen, wenn Strache Bürgermeister wäre. Aber Strache wäre dann da. Und er wäre Bürgermeister. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen und denkt eine Sekunde darüber nach, was das bedeuten würde, was das für unser geliebtes Wien bedeuten würde.

Strache

Man könnte an dieser Stelle Geschichten über die FPÖ ausgraben. Über Fotos sprechen, auf welchen Strache bei Kampfübungen am Boden herumrobbt. Über Fotos von Strache, die ihn mit Rechtsradikalen zeigen. Über Aussagen von FPÖ-Politikern. Über Höhlenmenschen. Über ihr dürftiges Parteiprogramm. Über eine Wirtschaftspolitik, die selbst unter Haider nicht so fatal war. Über die Dummheit, die es braucht, um über einen EU-Austritt zu debattieren. Über Zitate, die für sich selbst sprechen.

„Putin ist mit Sicherheit ein reiner Demokrat, aber mit einem autoritären Stil“.

„Wir sind die neuen Juden!“

„Daham statt Islam“

„Wir verstehen eure Wut – zuviel EU tut niemand gut.“

Die FPÖ-Wählerschaft

Darüber braucht man an dieser Stelle, nicht mehr ins Detail zu gehen. Es ist bekannt, dass die FPÖ ein rechtsradikales Lager hat. Parallel zu dem positioniert Strache die FPÖ als „mittig“ und traditionell. Doch egal wie sehr Strache versucht, sich von den Rechtsradikalen zu distanzieren und gleichzeitig sie anzusprechen, seine Wählerschaft zeichnet ein klares Bild der politischen Ausrichtung der FPÖ.

Der Blog EAU DE STRACHE sammelt die Aussagen von FPÖ-Sympathisanten und zeigt, wie rechts ein Teil der Österreicher ist. So werden auch die 30,4 Prozent der Oberösterreichwahl begreifbarer. Es ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Was war zuerst da? Es ist ein gar nicht so kleiner Teil der Österreicher, der rechts ist. Das muss man offen sagen. Hier geht es nicht um Bürgerliche, Traditionelle oder Konservative. Hier geht es um rechts sein in einem diskriminierenden und inakzeptablen Ausmaß. Hier geht es um neue Neo-Nazis, die gegen Volksgruppen und Religionen, wie den Islam, Hetze betreiben und Angst schüren. Und zwar so heftig, dass es gefährlich werden kann. Ein Spitzenkandidat der FPÖ in Lambach Oberösterreich weigerte sich in einem Geschäft einzukaufen, weil die Frau des Ge­schäfts­füh­rers Flücht­lin­gen Deutsch bei­bringt. Solche Geschichten kennen wir gut in Österreich. Genauso hat sich der Nationalsozialismus in Österreich vor 70 Jahren schleichend ausgebreitet. Eines der ersten Anzeichen war, dass Menschen aufhörten bei Juden einzukaufen.

Ein Plädoyer dafür, etwas Gscheites zu wählen

Ich wollte in diesem Blogartikel eigentlich nur zum Wählen aufrufen. Euch sagen, dass ihr, auch wenn euch Politik nicht interessiert oder ihr sie alle für „depat“ haltet, trotzdem  wählen gehen sollt und es mir egal ist, was ihr wählt. Ich habe meine Meinung geändert. Ich bitte euch, nicht nur wählen zu gehen, sondern euch auch Gedanken darüber zu machen, was ihr wählt. Denn es geht hier um unser Wien.

Macht euch bewusst, was gerade so los ist: Eine Flüchtlingskrise, wie sie sie nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Eine europäische Union, die bei der Griechenlandkrise fast zerbröckelt ist. Eine steigende Jugendarbeitslosigkeit. Zudem immer mehr junge Menschen ohne Perspektive, ohne Plan fürs Leben. Ganz ehrlich, ist Strache, der keine politische Erfahrung hat, die richtige Person um diese Probleme anzupacken?

Ich bezweifle das. Es ist verständlich, dass Menschen Angst haben und Angst ist auch eine geniale Waffe. In Verbindung mit Hetze und Parole gar unschlagbar. Dinge zu versprechen ist leicht. Sie einzuhalten weniger. Sollte Strache wirklich Bürgermeister werden, würde schnell klar, dass hinter all den Parolen nichts als heiße Luft ist. Aber Wien würde darunter leiden.

Wien ist und bleibt international

Wien avanciert zu einer internationalen Stadt, mit erfolgreichen Firmen und einer Kultur- und Kunstszene. Es kann mit Metropolen wie Berlin, London oder Paris konkurrieren. Eines der großen Charakteristika Wiens ist die Interkulturalität. So viele Religionen und Nationalitäten leben hier zusammen und es funktioniert. Darauf dürfen wir stolz sein. Aber wir müssen das auch bewahren. Und nicht einen Bürgermeister an die Spitze setzen, der weder die Globalisierung der Märkte noch die der Kulturen verstanden hat.

Darum: Geht um Himmels Willen wählen und verhindert so ein verkündetes Blaues Wunder. Auch wenn wir uns langfristig betrachtet und vor allem dann auf Bundesebene den ,rechten‘ Österreichern stellen müssen, hat Strache und seine FPÖ in Wien trotzdem nichts zu suchen.

Denn unser Schnitzel kommt eigentlich aus Italien und unser Kaffee aus Afrika. Und das ist gut so. Das ist Wien.

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