Haben wir verlernt allein zu sein?

Wir arbeiten, studieren, gehen aus und treffen uns mit Freunden. Wann haben wir uns das letzte Mal Zeit für uns selbst genommen? Waren allein zuhause. Allein im Kino. Allein etwas trinken. Allein spazieren. Der Mensch ist ein soziales Wesen und sucht nach Kontakten, aber trotzdem, wann waren wir zum letzten Mal wirklich ganz allein?


Bei Freizeitgestaltung, Stress und Verpflichtungen vergisst man schnell auf sich selbst. Zumindest geht es mir so. Jeder Tag ist so vollgestopft, so kurz. Mir fehlen täglich mindestens zwei Stunden. Ich komme so schon mit meiner Zeiteinteilung nur schwer klar, geschweige denn bleibt Zeit, mit mir allein zu sein. Carrie von ‚Sex and the City’ zelebriert das in jeder Folge. Sie ist oft allein. Sie genießt es. Sie nimmt sich Zeit. In ihrer Welt ist Alleinsein ein Luxusgut.

Allein essen zu gehen, ohne mit einem Buch, Handy oder Laptop bewaffnet zu sein, scheint irgendwie unangebracht in meiner Welt. Ja, fast peinlich oder gar armselig. Man denkt es sich doch selbst auch, wenn man Leute freitagabends am Nebentisch allein sitzen sieht. Eigentlich sollte man das Alleinsein aber ganz anders sehen. Die Person am Nebentisch eher beneiden.

Alleinsein ist nicht armselig. Nein, im Gegenteil, es ist die größte Kunst, ja gar die absolute Reife, die man erreichen kann. Menschen, die allein sein können und dabei glücklich sind, haben es im Leben geschafft. Sie brauchen niemanden, der sie glücklich macht oder den sie dafür verantwortlich machen, wenn sie es nicht sind.

Genau dasselbe ist es doch auch in Beziehungen, insbesondere wenn sie zu Ende gehen. Die größte Angst ist das Alleinsein. Das allein Schlafen und das Alleinsein, wenn Freunde keine Zeit haben. Doch diese Zeit sollte man nicht fürchten, sondern als Chance sehen.

Ja wirklich, so dumm es auch klingen mag. Wer kann schon von sich selbst sagen, dass er mit sich im Reinen ist? Wirklich glücklich sein kann man in einer Beziehung nur, wenn man auch glücklich allein sein kann. Man könnte auch sagen, wenn man sich selbst genügt. Und keinen anderen für das eigene Glück verantwortlich macht.

Darum trinke ich jetzt ein Glas Rotwein. Allein. Sonntagabends.

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wordpressadmin

8 Comments

  1. Richtig cooler Blog! Auch wenn der Verweis auf Sex and the City nicht mehr ganz aktuell ist, triffst du den Punkt. Schöne Artikel, hübscher Blog, weiter so 🙂

    • Dankeschön 🙂 das freut mich voll!!! hab gesehen, du hast auch einen, werd ich mir auch gleich anschauen.

  2. OMG…So witzig! Ich feire mich selbst das sich oft alleine was unternehme…und jetzt kommt der klou…wenn ich alleine weggehe in die Discothek um einfach nur das zu tun auf was ich gerade Bock habe, schreibe ich immer meiner BF „Ich mach einen auf C.B.! Was für ein witziger Zufall! Ich vergleiche mich nicht gerne mit so einem Klichee Charachter aus einer Serie…doch Carrie ROCKT denn sie hat mich gelehrt wie cool es doch ist alleine zu sein! 😉
    xo
    Yaya Van Chique

    • Ein wirklich lustiger Zufall 😀 Ich werd diese Redewendung jetzt auch benutzen, wenn’s recht ist 😉

  3. Da sprichst du ein sehr wichtiges Thema an! Ich werde bzw. wurde sehr oft auf meine viele Zeit alleine angesprochen und bemitleidet, obwohl es da gar nichts zu bemitleiden gibt.

    Ich genieße die Zeit mit mir alleine nicht nur, ich brauche sie sogar ganz dringend. Wenn während der Feiertage ein Event nach dem anderen ansteht, merke ich schon, dass ich unrund werde. Auch wenn freilich jedes Treffen an sich total fein ist, aber Energie hole ich mir woanders…

    Alles Liebe,
    Sophie

    • Schön, dass du deine Erfahrung hier mit uns teilst. Ich sehe das genauso :)Es gibt vermutlich auch Menschen, die diese Zeit weniger brauchen als andere. Alles Liebe, Eva

  4. Toller Beitrag. Ich mache sehr viele Sachen allein, weil ich nicht einsehen will, mich von einer Begleitung abhängig zu machen, die mir die Schmach und Peinlichkeit des Alleinseins von den Schultern nehmen soll. Ich finde, es gehört schon ordentlich Rückgrat dazu, allein auf Konzerte zu gehen, zu verreisen, essen zu gehen etc. Das hat nichts mit Erbärmlichkeit zu tun.

    Carrie Bradshaw finde ich auch ein super Beispiel. 🙂

    • Danke für deinen Kommentar 🙂 Es freut mich total, dass so viele Leute das genauso sehen. Darum Respekt vor jedem, der allein sein und das genießen kann! Ja, Carrie ist einfach mein absolutes Vorbild beim Alleinsein. LG eva

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