Sex in der Zukunft?

Ich habe mit Sexualforschern gesprochen, wie sich Sex in der Zukunft verändern könnte. Glaubt man ihnen, so könnte sich in den nächsten Jahrzehnten einiges verändern. So werden wir nicht mehr homo-, hetero- oder bisexuell sein.

pansexuell

Wir wurden so erzogen, dass man entweder auf Frauen oder Männer steht. Die sexuelle Ausrichtung ist von Geburt an bestimmt. Dieses Schema spiegeln auch Dating-Plattformen wider. Meldet man sich auf einer an, erscheint gleich zu Beginn die Frage: homo-, hetero- oder bisexuell? Dann muss man eine der drei Optionen auswählen um weitermachen zu können, denn nur so weiß das Programm, ob es nach der passenden Frau, dem passenden Mann oder eben nach beiden suchen soll. Transidente Personen machen diese Einteilung schon jetzt schwierig. Ab wann ist jemand nicht mehr Mann, sondern Frau? Gilt jemand vor einer Geschlechtsumwandlung als homo- oder heterosexuell? Oder erst danach? Die Grenzen verschwimmen.

Darum geht der Trend im Bereich der Sexualforschung hin zur sogenannten „Pansexualität“. Der Begriff leitet sich von der griechischen Vorsilbe „pan“ ab und bedeutet „gesamt, umfassend“. Es bedeutet, dass das Auswahlverfahren nach dem Geschlecht wegfällt. Man ist nicht mehr hetero- oder homosexuell, sondern es variiert nach der jeweiligen Person. Gefällt die Person, so ist das Geschlecht egal. Du verliebst dich oder findest Personen heiß, ohne sich für ein Geschlecht zu entscheiden.

„In Zukunft wird die Person viel mehr im Mittelpunkt stehen, wenn du jemanden kennenlernst und nicht mehr das Geschlecht“, meint Johannes Wahala, Sexualtherapeut und Präsident der österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung. Bereits jetzt existieren zahlreiche Foren im Internet, auf welchen sich Menschen austauschen, die sich selbst als pansexuell sehen. Der Unterschied zur Bisexualität ist, dass sich Pansexuelle zu mehr als zwei Geschlechtern hingezogen fühlen können. Auch Transidenten oder Menschen, deren Geschlechtsorgane nicht zur Geschlechtsidentität passen.

Wenn eine Lockerung der sexuellen Grundeinstellung wirklich passieren würde, würde das vieles verändern. Einerseits würde die seit Jahrhunderten verfestigte Heterosexualität zwischen Mann und Frau aufbrechen, andererseits auch so etwas wie ein „Outing“  in der Homosexualität überflüssig gemacht werden.

Was heute schwer vorstellbar ist, könnte in naher Zukunft normal sein. Nach dem Sexualpädagogen Wolfgang Kostenwein kann man Trends in der Zukunft nur durch die Beantwortung der Frage „Welche Bedürfnisse werden wir dann haben?“ relativ genau voraussagen.

Und die Bedürfnisse der Menschen werden individueller. Ganz klar, einfach weil Beziehungen und Sexualität sich wandeln und entwickeln. „Es wird eine Vielfalt in der Sexualität und Beziehung geben wie noch nie zuvor“, meint Wahala. Darum könnte der Trend der Pansexualität eine logische Folge davon sein. Bei einer derartigen Vielfalt wird eine Eingrenzung schwer und eine Deklaration der Sexualität womöglich unnötig.

Bei all den Gedanken und Trends, wie sich Sexualität verändern könnte, dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der noch nicht einmal die Homosexualität vollkommen akzeptiert wird. Immer wieder tauchen Studien auf, dass Österreicher finden, dass schwule Paare Kinder nicht adoptieren sollten. Wenn sich also etwas ändert, dann vermutlich nur ganz langsam und schleichend. So wie vieles in Österreich.

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