#Akademikerball: Warum alle so geil drauf waren, dass etwas passiert

Akademikerball_Polizei

Viele Demonstranten, unglaublich viel Polizei und Burschenschafter, denen das Ganze am Arsch vorbeigeht — so könnte man den diesjährigen Akademikerball beschreiben. Sehr ruhig war es am Freitag Abend in Wien. Irgendwie scheint die Luft raus. Kein Skandal, keine eingeschlagenen Fenster oder Autos, keine Burschenschafter, die auszucken. Nichts.

Genau so sollte das eigentlich auch ablaufen: Ein Ball, der stattfinden kann (weil Demokratie—FPÖ 30 Prozent und so) und friedliche Demonstrationen, die dem ein Gegenzeichen setzen. Und trotzdem bleibt—zumindest bei mir—irgendwie ein unbefriedigtes Gefühl zurück. Irgendwie hätte doch etwas passieren sollen.

Ich spreche dabei nicht von eingeschlagenen Fenstern und einem schwarzen Block, der eskaliert, nein ganz im Gegenteil, von einem großen Zeichen oder einer Geste oder einem Geständnis seitens der FPÖ, dass sie sich den Ball nicht mehr antut und dieser in Zukunft woanders stattfinden wird. Ich weiß, dass das nichts an der aktuellen politischen Situation ändern würde, wenn sie sich aus der Hofburg verziehen würden, aber es regt mich nach wie vor auf.

Demostrationen Schottentor Akademikerball

Mindestens 5000 Menschen geht es ebenso und sie demonstrierten dieses Jahr in Wien gegen den Akademikerball. Das zeigt, dass doch sehr viele Menschen dagegen sind. Das Problem ist nur, dass die Demo zwar wichtig war als Signal, aber leider nichts an dem Ball selbst ändert. Denn die Sitzblockaden waren verunsicherte Aktionen, an die die Demonstranten selbst nicht ganz zu glauben scheinten und die Mehrheit an Autos und Bussen kam sowieso durch das Hofburgtor und den abgesperrten Ring. Darum war heuer vermutlich auch so großräumig  abgesperrt, denn so konnte die Polizei die Ballgäste einfach durchschleusen—weit weg von den Demonstranten.

Ich war beim Eingang des Balles in der Hofburg und befragte die Gäste, was sie von den Demonstrationen halten. Viele der Besucher waren richtig aggressiv, manche brodelten geradezu vor Wut. „Haben Sie nichts Besseres zu tun als hier herumzustehen und uns zu nerven?“ oder „Haben Sie jetzt ihr verdammtes Foto? Dann können Sie ja heimgehen!“ entgegneten manche Besucher den Journalisten. Ein Besucher wurde sogar handgreiflich gegenüber einem Journalisten von heute.at. Als dieser ihn fotografierte, wollte der Besucher ihn ebenfalls fotografieren. Der Journalist verweigerte, dann wurde er handgreiflich. Security schritt ein und brachte den Gast hinein.

 

 

Diese Aggressivität zeigt schon, dass die Demonstrationen und die Kritik am Geschehen manche Besucher nicht ganz kalt lassen. Denn wäre ich Burschenschafter und wirklich überzeugt von dem Event und dessen Berechtigung, stellte ich mich doch in meiner Uniform und mit meiner Freundin hin und strahlte den Fotografen entgegen und dächte mir insgeheim: „Ach leckt mich doch, ihr könnt sowieso nichts dagegen tun.“ Das taten aber nur die Allerwenigsten.

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Auch nach der Demo bleibt das Gefühl, dass das alles nicht wirklich etwas bringt. Und auch weil der Gedanke sich auftut, dass der Akademikerball derzeit doch unser geringstes Problem ist. Wir haben nicht rechte Politiker, die eine Obergrenze einführen wollen und auch sonst scheint niemand eine Lösung zu haben, wie wir mit den Flüchtlingsströmen umgehen und Asylwerber integrieren sollen. Zeitgleich werden in Deutschland Flüchtlingsheime angezündet und viel über ausländische Männer und kulturelle Unterschiede diskutiert.

Natürlich schmerzt es, dass in diesen Zeiten ein Akademikerball stattfinden kann und die FPÖ dadurch noch mehr Aufmerksamkeit als ohnehin schon bekommt. Aber leider, so traurig es auch klingen mag, scheinen in diesem Fall Demonstrationen auch nur wenig zu bringen. Wir brauchen bessere Lösungen oder zumindest Vorschläge dafür. Und zwar schnell.

Akademikerball Mölzer

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