getroffen: 5 junge Frauen erklären, warum sie gerne masturbieren


Wir sind die Generation der Unverbindlichkeiten. Viele haben Nicht-Beziehungen, tindern sich durch die Nächte und setzen auf wechselnde Partner statt die große Liebe. Auf der Suche nach was? Unkompliziertem Sex. Gesellschaftlich ist das mittlerweile kein Tabu mehr. Aber wie steht es eigentlich um die reinste Form der puren Körperlichkeit? Masturbation ist schließlich nicht nur dann eine Alternative, wenn es gerade nicht matched. 

Schon die ägyptische Königin Kleopatra scheint vor 2000 Jahren auf diesen Trichter gekommen zu sein. Sie stimulierte ihre Klitoris mit einem Papyrussack voller Bienen. Im 19. Jahrhundert erfand dann der britische Arzt Joseph Mortimer Grandville einen Vibrator, um die Verspannungen seiner männlichen Patienten zu lösen. Später wurde mit den damit ausgelösten Orgasmen auch die „weibliche Hysterie“ behandelt. Diese ominöse Modekrankheit wurde von der Gebärmutter ausgelöst und ließ Frauen scheinbar verrückt werden. Das einzige was ihnen zu helfen schien war Selbstbefriedigung. 

 Masturbation ist kein neues Thema und wurde von Dr. Sommer schon in allen erdenklichen Facetten offenbart. Sado Maso, feministische Pornos, Fetische und variable Geschlechter-Konstellationen: In Sachen Sex scheint alles erlaubt zu sein. Aber die Liebe zu uns selbst bleibt die ewige Nebenrolle. Ich habe fünf junge Frauen gefragt, warum unverbindlicher Sex mit uns selbst mehr als eine heiße Affäre ist.

Masturbation

|erschienen im BLONDE Magazine| BASIC ISSUE

Zeynep*, 26

Sich selbst anzufassen oder einfach nur zu streicheln steigert das Selbstgefühl. Das muss auch gar nicht sexuell sein. Für mich war Selbstbefriedigung immer ein Weg Kontakt zu meinem Körper herzustellen und herauszufinden, was mir gefällt. Ich finde das sollte jeder machen, bevor man überhaupt an Sex denkt. Ich brauche lange, um Vertrauen zu einer Person aufzubauen und habe darum keine One-Night-Stands. Außerdem bin ich ein ziemlicher Hypochonder. Ich habe andauernd Angst schwanger zu werden oder eine Geschlechtskrankheit zu bekommen, darum kommt Casual Sex mit irgendwem für mich nicht infrage. Deshalb muss ich mir da selbst helfen. Das kann schön und sinnlich sein, es ist aber mehr ein Solo-Date und kein Ersatz für Sex. Meistens denke ich dabei an Sex mit Menschen, der tatsächlich stattgefunden hat und den ich schön fand. Oder an Menschen, die ich süß finde, mit denen ich nichts hatte – aber keine Stars. Naja wobei: Jan Böhmermann hab ich mir letztens mal vorgestellt. Dazu käme es im realen Leben wohl eher nicht.

Sara*, 24

Es kommt oft vor, dass ich wirklich Lust auf Sex habe, aber grade einfach niemand verfügbar ist, und dann will ich nicht warten, sondern sofort einen Orgasmus haben. Ich mache es mir gerne selbst, weil ich so von keinem Typen abhängig bin. Ich allein kann bestimmen, wann ich es mache und auch wie oft ich kommen will. Diesen Luxus habe ich beim Sex meistens nicht. Zudem kann da auch nichts schiefgehen. Es ist mir schon öfters passiert, dass ein Typ beim Sex die Stellung gewechselt hat, kurz bevor ich gekommen bin und das war’s dann für mich. Ich bin Single und manchmal frustrieren mich die Männer einfach nur. Bevor ich irgendjemanden mitnachhause nehme, lege ich lieber selbst Hand an. Ich befriedige mich ausschließlich mit der Hand, weil ich so mehr spüre. Für mich ist Selbstbefriedigung wichtig. Ein Orgasmus entspannt mich zudem total. Ich kann mich dann wieder relaxter auf die Suche nach Sex machen. Ich spreche ungerne darüber. Obwohl ich meinen Freundinnen von jedem One-Night-Stand oder Sexabenteuer erzähle, habe ich irgendwie eine Hemmung ihnen von meiner Selbstbefriedigung zu berichten.

Masturbation

Maria*, 25

Ich mach es mir fast jeden Tag selbst, obwohl ich in einer Beziehung bin. Ich liebe den Sex mit meinem Freund, aber ich will es nicht von ihm abhängig machen, wann ich einen Orgasmus habe oder nicht. Manchmal mache ich es mir auch nur aus Langeweile zuhause. Beim Lernen für die Uni hilft es mir auch als Belohnungsfaktor. Ich denk mir, diese Seiten lerne ich noch und dann belohne ich mich selbst mit einem Orgasmus dafür. Ich befriedige mich immer mit meinem Vibrator, den ich an mein Höschen halte. Dazu schau ich mir Pornos an. Am liebsten Lesben-Pornos, weil die nicht so entwürdigend für Frauen sind und ich nicht andauernd sehen will, wie Männer einen geblasen bekommen oder Frauen ins Gesicht gespritzt wird. Meinem Freund habe ich davon noch nie erzählt, für ihn wäre das eine Bedrohung für seine Männlichkeit und ich will ihn nicht kränken. Die Selbstbefriedigung mache ich nur für mich selbst und das hat nichts mit ihm oder unserem Sex zu tun. Außerdem ist es schön, so ein kleines Geheimnis zu haben.

Lisa*, 26

Für mich ist Selbstbefriedigung etwas ganz Normales, es gehört einfach zur Sexualität dazu. Leider sprechen wir viel zu wenig darüber. Auch ich selbst. Ich frage mich bei Leuten, die sagen, sie tuen es nicht, ob sie lügen weil es ihnen unangenehm ist oder wirklich nie machen. Manchmal befriedige ich mich eine Woche nicht und dann drei Mal am Tag. Ich mach es gerne mit der Hand und manchmal auch ganz Klischeehaft mit dem Duschkopf. Dabei denke ich an Männer, mit denen ich in diesem Moment gerne Sex hätte. Ich mache das aber nicht als Ersatz dafür. Bei der Selbstbefriedigung geht es mir nur um den Orgasmus, beim Sex um das Gemeinsame. Für mich sind das zwei unabhängige und wichtige Dinge.

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Marina*, 24

Du hast alle Zeit der Welt, kannst die Musik hören, die dir gefällt und du musst dich um niemand anderen kümmern. Das kann hin und wieder sogar besser als Sex sein. Zudem kann ich in mich hineinhören und bekomme auch nach Jahren noch ein neues  Gespür für meinen Körper. Ich spreche mit engen Freundinnen gerne über Selbstbefriedigung. Es interessiert mich, wie sie damit umgehen. Aber das ist ein totaler Vertrauensbeweis, ich würde nicht mit jedem darüber sprechen. Es macht mir aber Spaß mit meinem Mitbewohner darüber zu quatschen, da er total neugierig ist und den weiblichen Körper besser verstehen will. In solchen Situationen kann es sogar befreiend und witzig sein, über Selbstbefriedigung zu sprechen. Indem ich mit andern darüber rede, reflektiere ich zugleich auch selbst und bemerke, was mir gut tut und was ich besonders hervorhebe. Ich lerne immer wieder etwas Neues über meine eigene Psyche dazu. Besonders dann, wenn mein Kopf Lust hat, mein Körper sich aber störrisch anstellt und einfach ein klares „Nö“ an mein Gehirn sendet. Woody Allen hat einmal gesagt: Masturbation ist Sex mit jemanden, den ich wirklich liebe. Ich finde, das ist ein treffendes Zitat, denn so sollte es im Idealfall sein. Auf allen Ebenen Spaß mit sich selbst zu haben ist eine hohe Kunst und leider insbesondere Frauen sind noch unsicher sich darüber selbstbewusst auszudrücken. Seit mein neuer (wasserfester)-Vibrator das erste Mal in Berührung mit Wasser kam, rumort er sehr laut und das ist ein dezenter Lustkiller, darum mache ich es mir derzeit weniger oft selbst. Eine Zeit lang habe ich auch versucht mich selbst beim Sex vorzustellen. Wenn ich schon Sex mit mir habe, dann finde ich, ist dies auch ein passender Gedanke.

 

*Namen geändert

|Credit Foto via unsplash.com Creative Commons Zero via Sokoloff Lingerie & Kira Ikonnikova|

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