Wie wäre ein Leben ohne dich???

Für ze.tt hab ich mich der Frage gestellt, warum immer mehr Frauen keine BHs mehr tragen. Dazu sprach ich mit tollen Menschen, wie der Bloggerin Sinah, einer Gynäkologin und beschäftigte mich mit dem aktuellen Forschungsstand dazu. Seither geht mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf: Brauche ich dieses Ding wirklich? Wie wäre mein Leben so ganz ohne BH?

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x Büstenhalter, adé! Warum immer mehr Frauen auf ihren BH verzichten x

Ab und an durfte ich mitfahren. Für mich war das das Größte. In einer hässlichen Halle irgendwo draußen am Land gab es den saisonalen Abverkauf von all den großen Dessous-Marken. Ich werde den Tag niemals vergessen, als ich mir dort nicht nur Unterhosen, sondern auch meinen ersten BH aussuchen durfte. Ich stand vor einem riesigen Regal. Neben mir meine Tante und meine Mama. Auf diesen Moment hatte ich lange gewartet. In den Monaten zuvor lag ich meiner Mama bereits in den Ohren. Ich sei die Einzige in der Schule, die noch keinen BH trage, erzählte ich ihr. Was natürlich nicht ganz stimmte. Aber Fakt war, ich brauchte dieses Ding.

Ich wollte einen ausgepolsterten Push-Up-BH, wie ich ihn schon in der Umkleide bei manchen Mitschülerinnen bereits gesehen hatte. Die coolen Kids trugen das, das stand für mich außer Frage. Meine Mama sah das anders. Sie hatte gelesen, dass man von den Metall-Bügeln Krebs bekomme. Und so war es mit meinem Traum vom Wonderbra auch schon geschehen. Stattdessen bekam ich ein schwarzes schlichtes Modell von Skiny. Ganz ohne Polster. Ich war endlos enttäuscht. Die gesamte Fahrt nachhause weinte und schmollte ich abwechselnd. Nun besaß ich endlich meinen ersten BH, aber dieser änderte ja nichts an meinen Brüsten. Einige Monate später kaufte ich mir dann bei H&M heimlich einen pinken Snoopy-Push-Up-BH. In den ersten Monaten wusch ich ihn sogar mit der Hand im Waschbecken, nur um ihn vor meiner Mama zu verstecken. Aber ich trug ihn mit Stolz. Denn endlich war das etwas, auch wenn es nur Fake war: Ich hatte Brüste.

Im Grunde hat sich seither nicht viel verändert. Sehr viel größer sind meine Brüste nicht mehr geworden, worüber ich mittlerweile (11 Jahre später) ziemlich froh bin. Denn meine kleinen B-Brüste werden nie hängen, ich kann tief ausgeschnittene Kleider tragen und auf meinem Bauch schlafen. (Danke dafür!)

Die Frage, was ich da eigentlich stützen sollte, ist schon mal nicht relevant. Und die Zeiten sind zum Glück vorüber, in denen ich meinen Klassenkollegen vorgaukeln muss, mindestens ein C-Körbchen zu haben. Stützen muss ich meine Brüste nicht, da bleibt nur mehr die Sache mit den Nippeln. Ich habe mich selbst schon oft genug bei anderen Frauen mit dem Gedanken ertappt: „Nippelalarm“. Heute schäme ich mich dafür. Denn Nippel hat jeder, und warum müssen wir auch nur die Kontur davon verstecken? Nippel an sich sind schließlich nichts Sexuelles. Erst die Gesellschaft redete uns ein, dass steife Nippel etwas mit Sexualität und Lust zu tun haben müssen und somit weggesperrt gehören.

Als ich einer Freundin davon berichte, dass ich ab jetzt keine BHs mehr tragen werde, meint sie: „Dieser kein BH-Trend verstört mich. Man muss nicht alles immer schlecht machen.“ Ich denke auch, dass BHs für Frauen mit großen Brüsten zum Beispiel echt Sinn machen. Aber manche Dinge muss man selbst ausprobieren, bevor man über sie urteilen kann. Also ran an das Projekt oder lieber weg damit. Ich trage ab heute keinen BH mehr und werde euch auf dem Laufenden halten, wie sich das anfühlt.

 

|Credit:Foto Sokoloff Lingerie via Creative Commons Lizenz |

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